Peritonealdialyse
Für Patienten, die sich für die Peritonealdialyse-Behandlung entschließen, bedeutet das eine weitgehende Unabhängigkeit von Maschinen und von einem Dialyseinstitut. In der Regel stellen sich die Patienten einmal im Monat bei ihrem Dialysearzt vor.
Die Bauchfelldialyse kann jedoch nicht bei jedem Patienten angewandt werden. Zunächst muss ärztlicherseits festgestellt werden, ob keine Gegenanzeigen (Kontraindikationen) für diese Behandlungsform bestehen. Eine wichtige Voraussetzung ist, dass der Patient zur Durchführung einer Peritonealdialysse in der Lage ist, d.h. er muss über eine gewisse manuelle Geschicklichkeit verfügen. In der Fachliteratur ist mit Beispielen belegt, dass sich sogar blinde Diabetiker mit gutem Erfolg behandeln, ja sogar eine niedrigere Komplikationsrate als bei Nichtblinden beobachtet wurde, was sicherlich auf die besonders gute Schulung dieser Patientengruppe zurückzuführen ist. Schließlich müssen auch von Seiten der häuslichen Verhältnisse die Voraussetzungen erfüllt sein. Es wird eine Duschmöglichkeit gefordert und genügend Raum zum Lagern des notwendigen Materials.
Voraussetzung PD-Katheter
Der speziell entwickelte Dialysekatheter besteht aus einem biegsamen Kunststoffmaterial und hat einen Durchmesser von ca. 5 mm. Er wird in einer Operation von ca. 30 minütiger Dauer in Vollnarkose in die Bauchhöhle eingelegt. 3 Tage Bettruhe sind erforderlich. Während eines anschließenden stationären Aufenthaltes von l bis 2 Wochen unter der Anleitung spezialisierter erfahrener Fachkräfte wird die Durchführung der Bauchfelldialyse (sog. "Training") erlernt. Die Eintrittsstelle des Katheters in die Bauchhöhle liegt in der Nähe des Nabels, der Katheter verläuft dann mehrere Zentimeter innerhalb der Bauchdecke nach unten, um dann in die Bauchhöhle einzumünden Die Spitze des Katheters, die mehrere seitliche Öffnungen hat, soll im Unterbauch zwischen Harnblase und Mastdarm an der tiefsten Stelle der Bauchhöhle liegen. Nur so kann das Dialysat restlos ablaufen.
Wie funktioniert die Peritonealdialyse
Bei der Peritonealdialyse finden die Austausch Vorgänge zur Entgiftung und Entwässerung innerhalb des Bauchraums statt. Die Peritonealdialyse kann selbständig nach einer Trainigsphase vom Patienten zu Hause durchgeführt werden.
Als Dialysemembran bei der Peritonealdialyse dient das Bauchfell, das Peritoneum, das sämtliche Bauchorgane umhüllt und die Bauchhöhle auskleidet. Die Dialyselösung wird über einen Katheter in die Bauchhöhle eingelassen und nimmt dort die Giftstoffe auf. Drei- bis fünfmal täglich werden etwa zwei Liter sterile Dialyselösung in die Bauchhöhle eingebracht und nach einer Verweildauer von vier bis acht Stunden wieder abgelassen.
Diese Art der Dialyse für die Behandlung des chronischen Nierenversagens wurde 1976 eingerührt. Ausgehend von den USA und Kanada hat sich diese Methode über sämtliche Kontinente ausgebreitet. In Deutschland werden gegenwärtig etwa ca 5.000 Patienten mit dieser Methode behandelt.
Prinzip der Bauchfelldialyse:
Hier wird das Bauchfell (Peritoneum) als Filter zur Entfernung von Giftstoffen benutzt, d. h. das Blut wird mit Hilfe des eigenen Bauchfells gereinigt. Es ist eine dünne Haut mit einer Oberfläche von 1-2 m2, die die Organe des inneren Bauchraumes überzieht. Das Bauchfell ist sehr gut durchblutet und stellt damit eine hervorragende Austauschmembran dar. Über einen in die Bauchwand fest eingenähten Katheter wird die Dialysierflüssigkeit aus einem Beutel in die Bauchhöhle eingelassen. Diese Flüssigkeit umspült das Bauchfell. Durch den Austausch von gelösten Stoffwechselprodukten (harnpflichtige Substanzen oder auch Schlackenstoffe genannt) und Flüssigkeit zwischen den Blutgefäßen des Bauchfells und der Dialysierflüssigkeit werden Schlackenstoffe und Flüssigkeit entfernt. Die mit Schlackenstoffen angereicherte Flüssigkeit (Dialysat) wird nach einigen Stunden wieder durch den Katheter abgelassen und durch neue Dialysierflüssigkeit ersetzt. Das Einlaufen der Dialysierflüssigkeit und Auslaufen des Dialysates erfolgen mit Hilfe der Schwerkraft, indem einmal der Beutel zum Einlaufen angehoben bzw. zum Auslaufen abgesenkt wird.
Flüssigkeitsbilanz
Bei der Bauchfelldialyse erfolgt der Flüssigkeitenzug so, dass überschüssiges Wasser über die Bauchhöhle abgegeben wird. Das Prinzip dieser Regulierung ist die sogenannte Osmose. Die Diaylsierflüssigkeit enthält als osmotische Substanz Traubenzucker (Glukose), der auf grund zeiner Konzentration (4-4,5%) einen bestimmten "osmotischen Druck" ausübt. Auf diesem Wege wird Wasser vom Gewebe in die Bauchhöhle gezogen. Durch die Wahl der Glukosekonzentration kann der osmotische Druck verändert werden. So wir man bei einem Patienten mit minimaler Urinausscheidung mit höherer Glukosekonzentration oder, als neueste Entwicklung, mit anderen osmotisch wirksamen Zuckerverbindungen (z.B. Polyglukose, Icodextrin) verwenden. Im Gegensatz zur nichtkontinuierlichen Entgiftung bei der Hämodialyse (d. h. intermittierend oder periodisch, 3 x 4-5 Std. pro Woche) erfolgt diese bei der Bauchfelldialyse langsam und stetig (kontinuierlich), eine Situation, die dem natürlichen Entgiftungsvorgang der Niere nahekommt.
Beutelwechsel:
Der Beutel mit der Dialysierflüssigkeit wird auf einer Wärmeplatte auf Körpertemperatur vorgewärmt. Die Anzahl der täglichen Beutelwechsel, in der Regel 3-5 am Tag, richtet sich nach der Restfunktion der Eigennieren des Patienten, der Menge anfallender Giftstoffe (abhängig von Größe, Gewicht, körperlicher Aktivität und Essgewohnheiten des Betroffenen) sowie nach dem Beutelvolumen (0,5-3 l), m der Regel werden 4 mal 2,0-2,5 l ausgetauscht.
Ein kompletter Beutelwechsel dauert ca. 30 bis maximal 45 Minuten. Er wird vom Patienten selbst, auch wenn dieser blind, behindert oder älter ist, durchgeführt. Dies kann zu Hause, an der Arbeitsstelle, im Heim, im Hotel oder in anderen geeigneten Räumen stattfinden; er erfordert einige leicht erlernbare Handgriffe; technische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Allerdings verlangt diese Behandlungsform eine über das gewöhnliche Maß hinausgehende Sauberkeit und die Beherrschung der Grundprinzipien der absoluten Keimfreiheit (Sterilität).
Bei jedem Beutelwechsel ist zu beachten:
- Fenster und Türen schließen;
- Wollsachen, Krawatte und Schmuck entfemen;
- Hände und Unterarme gründlich mit Seife waschen und desinfizieren;
- Mundschutz anlegen, Nase und Mund bedecken.
Varianten der Peritonealdialyse
In Abhängigkeit von Häufigkeit und Art der Durchführung des Flüssigkeitsaustausches gibt es verschiedene Bauchfelldialyseverfahren.
Die CAPD ist die Abkürzung für "continuous ambulatory peritoneal dialysis" und heißt wörtlich übersetzt: kontinuierliche ambulante Bauchfelldialyse. Die sterile Dialysierflüssigkeit, die über einen Katheter in den freien Bauchraum eingeführt wird, verbleibt in der Regel 4-6 Stunden in der Bauchhöhle und wird anschließend durch neue Dialysierflüssigkeit ersetzt, so dass sich ständig, also 24 Stunden am Tag (kontinuierlich), eine Flüssigkeit in der Bauchhöhle befindet. Dabei werden durch Diffüsionsvorgänge "harnpflichtige Substanzen" und durch Osmose überschüssiges Wasser aus dem Körper entfernt. Die gesamte Therapie wird nach einer Trainingszeit von einigen Tagen durch den Patienten selbst durchgerührt. Dazu sind keine Maschinen erforderlich. Lediglich zur Desinfektion der Verbindungsstelle des Überleitungsstückes können verschiedene kleine mobile Tischgeräte verwendet werden.
Die CCPD ist die Abkürzung für »continuous cyclic peritoneal dialysis« und heißt übersetzt: kontinuierliche zyklische Bauchfelldialyse. Die CCPD ist eine Weiterentwicklung der Kontinuierlichen ambulanten Peritonealdialyse (CAPD) unter Zuhilfenahme einer Peritonealdialysemaschine. Diese Behandlungsform wird vom Patienten meist zu Hause über Nacht durchgerührt. Der Patient schließt sich am Abend an die Maschine an. Während der Nachtruhe führt diese Maschine wiederholte Dialysatwechsel durch. Am Morgen schließt sich der Patient wieder ab, verschließt den Katheter steril und kann am Tage ohne Beutelwechsel seinen Beschäftigungen nachgehen. Die Anzahl der Wechsel in der Nacht sowie die jeweils ausgetauschten Dialysatmengen werden in die Maschine einprogrammiert. Die letzte Dialysatfüllung wird vom Morgen bis zum Abend in der Bauchhöhle belassen. Die CCPD ist jedoch nur für diejenigen Patienten ein effektives Nierenersatztherapieverfahren, deren Bauchfell in der Lage ist, die auszuscheidenden Stoffwechselprodukte relativ rasch aus dem Blut in die Bauchhöhlenflüssigkeit zu transportieren, Man sollte daher zunächst immer mit der CAPD beginnen und kann erst nach einigen Wochen anhand eines Testes über die Anwendung der CCPD entscheiden.
(Nächtliche) intermittierende Peritonealdialyse - (N)IPD
IPD
Bei der IPD erfolgt die Dialyse mit Unterbrechung (intermittierend) 3mal wöchentlich zwischen 8 und 12 Stunden und wird von ausgebildetem Fachpersonal in einem Dialysezentrum durchgeführt. Der Flüssigkeitsaustausch wird automatisch mittels einer Peritonealdialysemaschine (»Cycler«) durchgeführt. Pro Behandlung benötigt man ca. 20 bis 40l Dialysatlösung, am Ende der Behandlung wird der Katheranschluß bis zur nächsten Dialyse steril verschlossen und der Patient gestaltet seinen Tagesablauf ohne Dialysat im Bauchraum.
NIPD
Die Nächtliche intermittierende Bauchfelldialyse wird vom Patienten meist als Heimdialyse durchgeführt. Die Spüllösung wird in der Nacht von einer Maschine (engl. Cycler), an die sich der Patient abends anschließt, automatisch ausgetauscht. Am Morgen wird der Katheteranschluß steril verschlossen und ohne Dialysat im Bauchraum und ohne zwischenzeitlichen Beutelwechsel kann der Tag frei gestaltet werden.
Bauchfellentzündung
Aufgrund des Katheters ist man dem Risiko einer Bauchfellentzündung ausgesetzt. Diese kann, wenn man die ersten Anzeichen nicht richtig deutet sehr schmerzhaft sein. Es kann zu dieser Entzündung kommen, wenn man bei einem Beutelwechsel oder beim An- oder Abschluß vom Cycler nicht richtig aufgepasst hat und Bakterien über den Katheter in den Bauchraum gelangen. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, dass Bakterien sich einen Weg aus dem Darm heraus in ds Bauchfell suchen. Wobei diese Variante eher selten.
Als erste Anzeichen ist ein Schmerz in der Magengegend zu merken. Dieser kann jedoch nur von kurzer Dauer sein, so dass man ihn nicht für Ernst nimmt. Er kehrt jedoch wieder, immer öfter und immer stärker. Letztendlich so stark, dass man nicht mehr gerade stehen kann.
Auch ein Anzeichen für eine Entzündung ist beim Auslauf ein trübes Dialysat. Die Flüssigkeit ist dann nicht mehr klar, sondern sieht so aus als hätte man eine Dose Kaffeesahne rein gekippt.
Aber egal wie sie anfängt die Bauchfellentzündung, sofort ins Krankenhaus. Lieber einmal zu oft, als zu lange gewartet. Denn eine richtig schwere Entzündung kann das Ende für die Bauchfelldialyse bedeuten.

