Vorraussetzung Shunt
Bei Patienten mit chronischen Nierenversagen, muß die für den Menschen notwendige Blutreinigung mittels Dialyse mehrfach in der Woche durchgeführt werden. Ein mögliches Verfahren ist die Hämodialyse, die Entgiftung des Blutes wird außerhalb des Körpers mittels des Dialysegerät durchgeführt.
Damit der Patient regelmäßig die künstliche Niere nutzen kann, bedarf es einer Anschlußmöglichkeit an geeignete Blutgefäße, die das Blut in das Dialysegerät und wieder zurück in den Körper strömen läßt. Aus diesem Grund wird spätestens vier bis sechs Wochen vor Dialysebeginn in einem chirurgischen Eingriff ein sogenannter Shunt, das ist das englische Wort für Kurzschluß, gelegt.
Der Shunt wird an einer Stellen angelegt, an der eine Vene (Blutader) und eine Arterie (Schlagader) gut zugänglich und nahe beieinander liegen. Hierbei wird meistens die Pulsschlagader am Unteram (Arteria radialis) mit einer daneben liegenden Vene verbunden, ein sogenannter Cimino-Shunt. Eine Alternative für einen Dialyseshunt ist die Verbindung der am Oberarm liegenden Oberarmarterie (Ateria brachalis) mit der Königsvene (Vena basilica) der sogeannte Brachalis-Shunt. In extrem seltenen Fällen wird ein Shunt auch am Schlüsselbein oder am Oberschenkel angelegt.
Der Eingriff am Unteram wird in der Regel in einer Regional-Anästhesie durchgeführt, die anderen Operationen meistens in einer kurzen Vollnarkose. Für die Shuntanlage werden die entsprechende Vene und Arterie freigelegt, der Blutfluß in den Gefäßen unterbrochen, anschließend werden die angeschnittene Vene und Aterie zusammengenäht, der Blutfluß wieder freigegeben und die Operationswunde vernäht. Falls die Gefäße des Patienten zu schlecht sind, wenden die Chirugen eine andere Technik an, es werden dann Aterie und Vene über eine kurzen Kunststoffschlauch (z.B. Grore-Tex) miteinander verbunden. Nach einen gewissen Nachbeobachtungszeitraum kann man die Klinik verlassen und nach ca. 10 Tagen werden die Fäden entfernt.
Nach der Operation soll sich der Shunt entwickeln, durch das einströmende arterielle Blut in die Shunt-Vene füllt sich diese auf, um diesen höheren Druck standzuhalten nehmen die Wanddicke der Vene und das Volumen zu. Dieses "arterialisieren" dauert mindest zwei bis sechs Wochen, in dieser Zeit sollte nach Möglichkeit nicht über diesen Shunt dialysiert werden.
Shuntpflege
Der Dialyseshunt kann in den meisten Fällen jahrelang benutzt werden. Meistens wird er auch nach einer Nierentransplantation nicht zurückoperiert, für den wahrscheinlichen Fall einer später erneut nötigen Dialyse. Nun ein paar Hinweise für eine langes "Shunt-Leben".
- Hygiene
Bei jeder Punktion sollte auf äußerte Hygiene geachtet werden, der Punktierende sollte Einmalhandschuhe tragen, die Punktionsfläche sollte desinfiziert werden, sollte der Patient nachher selbst abdrücken gelten natürlich für seine Hände die gleichen Hygienemassnahmen. - Abdrücken
Nachdem die Kanülen/Nadeln gezogen worden sind, sollte der Patient die Punktionstellen 5 bis 15 Minuten mit einen sterilen Tupfer abdrücken, bis sich die Punktionstellen verschlossen haben. Zur Sicherheit kommen dann auf die Punktionstellen noch Pflaster, manchmal auch eine locker gebunden Binde um den Arm, beides kann nach 4 bis 5 Stunden selbst entfernt werden. - Eigenkontrolle
Der Patient sollte bei jeder ärtzlichen Untersuchung darauf achten, das der Blutfluß im Shunt nicht von aussen unterbrochen wird, deshalb keine Blutdruckmessung am Shuntarm. Keine Blutentnahme am Shuntarm, dadurch den Stauschlach der Blutfluß im Shunt behindert wird. Regelmäsig prüfen ob der Shunt noch "schwirrt", also ob er noch gut durchblutet ist, dies ist besonders wichtig bei Shunts mit Kunststoffschlauch, da hier eine größere Gefahr der Blutpfropfbildung (Thrombenbildung) gegeben ist. - Gefahrenmeidung
Der Patient sollte mögliche Verletzungsgefahren meiden bzw. bei bestimmten Arbeiten (z.B. bei der Gartenarbeit oder im Umgang mit Messern) sehr vorsichtig sein. Aufgrund des großen Drucks, mit dem das Blut im Shunt fließt, besteht ein hohes Verblutungsrisiko. - Pflege
Aufgrund der Dialyse kommt es häufig zu einer allgemeinen Austrocknung der Haut, deshalb ist es wichtig die Haut regelmässig mit einer Pflegecreme einzureiben, vor allen den Shuntarm.
Komplikationen
- Shuntverschluß
Wenn aufgrund eines Blutpropfen eine Shuntverschluß vorliegt, wird versucht diese Thrombose operativ zu entfernen, damit wieder eine Dialyse möglich ist. Um Thrombosen vorzubeugen werden manchen Patienten blutverdünnende Medikamente wie z.B. Acetylsalicylsäure, Heparin oder Marcumar verschrieben. - Verdickung der Gefäßinnenwand
Die Intimahyperplasie (Verdickung der Gefäßinnenwand der ableitenden Venen) ist medizinisch und patientenseitig nicht beinflußbar und führt im fortgeschrittenen Stadium zu einen Verschluß des Shunts und kann meist nur durch die Neuanlage eines Shunts behoben werden.
Neben den Risiken von Komplikationen direkt am Shunt gibt es auch Risiken, die den Patienten generell belasten können. Jedoch sind insbesondere bei einer gründlichen Vorbereitung der Shuntanlage diese Komplikationen äußerst selten.
- Herzbelastung
Der vermehrte Rückstrom von Blut zum Herzen, kann bei einem vorgeschädigten Herzen zu Problem führen. Die Zusatzbelastung durch ein zu hohes Blutvolumen durch den Shunt, kann zu einer Überforderung des Herzens führen. - Minderdurchblutung einer Extremität
Manchmal ist die durch den Shunt ablfießende Blutstrom so groß, das keine ausreichende Blutmenge für z.B. die Hand vorhanden ist (steal effect), operativ wird versucht durch eine Verengung der Shuntquerschnittes den Extremitäten wieder genügend Blut zukommen zu lassen.
Abzugrenzen davon ist eine Mageldurchblutung die durch die Verkalkung großer oder kleiner Gefäße, wie sie bei Diabetes mellitus oder Arteriosklerose vorkommen enstanden ist, inbesonders kritschen Fällen kann eine Verlegung des Shunts notwendig sein um die Extermität zu erhalten.

